Substantivierung von Verben

 

 

3 Regeln über Groß- und Kleinschreibung, die die meisten nicht kennen

 

Substantivierung von Verben

Schreibt man „Fahrradfahren“ oder „Fahrrad fahren“?

Oder am Ende doch „fahrradfahren“ …?

Ob groß, klein, zusammen oder mit Bindestrich – wenn es um die Rechtschreibung geht, gehen die Meinungen auseinander.

Dabei werden nicht die Rechtschreibregeln an sich diskutiert, sondern vielmehr die Frage, ob sich das richtige Schreiben à la Duden überhaupt noch lohnt?

Warum sollte man heute noch Wert auf Rechtschreibung legen? Da achtet doch kaum noch jemand drauf. Hauptsache man wird „inhaltlich“ richtig verstanden. Aber genau da liegt der erste Hase im Pfeffer …

Die zugegebenermaßen alten Beispiele, wonach bei Nichtbeachtung der Großschreibung zugleich der Sinn verfälscht wird, überzeugen nicht wirklich. Denn wenn …

  • der Gefangene floh, dann darf er endlich wieder seine Freiheit genießen. Während …
  • der gefangene Floh, gar keine Freiheit hat, die er genießen könnte.

Wir sind uns einig: Das sind erstens alte Kamellen und zweitens kaum beachtenswerte Ausnahmefälle.

Bleiben wir also bei „klein“?

 

Kann man auch mit kleinen Buchstaben „groß rauskommen“?

In den Social-Media-Kanälen wie facebook, Twitter oder Instagram finden sich mittlerweile viele, die sich keine unnötigen Gedanken mehr machen (können/wollen). Sie schreiben konsequent klein. Auch der/das Hashtag – beide Artikel sind übrigens „erlaubt“ – zieht ebenfalls kleine Buchstaben nach sich.

Da bei diesen Austauschbörsen der (Un-)Sinn der einzelnen Beiträge oftmals geringe Bedeutung hat, mögen die in die Tastatur gehauenen Fehler verschmerzbar sein.

Wenn es aber darauf ankommt, wie er oder sie ankommt …, dann sollte er oder sie Rechtschreibfehler vermeiden. Erste Erfahrungen mit sprachlichen Nachteilen müssen bereits die Kinder in der Grundschule machen.

Fragt der 10-Jährige Finn seine Angebetete:

„Wilst du mit mir gen?“

  1. ja
  2. nein
  3. fileicht,

muss er damit rechnen, dass Lisa den nicht ganz so schnuckligen, aber dafür wortgewandten Paul vorzieht. Selbst wenn dieser gar nicht gefragt hat …

 

Offizielle Schreiben? Besser fehlerlos!

Ähnliche Peinlichkeiten oder sofortige Absagen erfährt man bei fehlerhaften Bewerbungsschreiben. Wer einen Job sucht, bei dem man sich schriftlich ausdrücken muss, sollte sich in seinem Anschreiben fehlerlos präsentieren. Denn konkurrierende Orthografieprofis gibt es genügend.

Gleiches gilt für sämtliche Abschlussarbeiten, wie Bachelor-, Master oder Magisterarbeiten. Häufen sich die Fehler, drohen Punktabzug und sogar schlechte Noten.

substantivierte Verben

Damit man bei Veröffentlichungen aller Art – online wie offline – nicht negativ auffällt, sollte man zumindest ein paar einfache Regeln beachten.

Wenn z. B. Blogger, Unternehmer oder Selbstständige durch Content Marketing Leistungen oder Produkte verkaufen wollen, dürfen auch sie sich keinen fehlerhaften Auftritt erlauben.

Hier die Übersicht, in welchen Fällen Verben großgeschrieben werden.

 

Die Substantivierung von Verben

Da nicht immer klar ist, ob und welcher Teil von Zusammensetzungen großgeschrieben wird, vorab eine kleine Übung. Wie heißt es richtig?

  1. Schlittschuh laufen
  2. Schlittschuhlaufen
  3. Schlittschuh Laufen oder
  4. schlitttschuhlaufen?

Sagen wir so, in zwei der vier Fälle kommt es darauf an …

 

Regel Nr. 1:

Infinitive, die wie Substantive gebraucht werden, schreibt man groß: sitzen – das Sitzen

Bei der Substantivierung werden aus den Verben -> sitzen, liegen, stehen

die Substantive -> das Sitzen, das Liegen, das Stehen.

Fehlt der Artikel, eine Präposition oder eine nähere Bestimmung, wenn es sich also um einen sogenannten bloßen Infinitiv handelt, kann sowohl klein- als auch großgeschrieben werden.

Beispiel:

Die Schüler lernen schreiben / Schreiben.

Hier kann der Infinitiv zum einen als normale Verbform aufgefasst werden:

Die Schüler lernen zu schreiben.

Gleichzeitig kann hier der Infinitiv als substantiviert gesehen werden. In dem Fall würde man sagen:

Die Schüler lernen das Schreiben.

 

Regel Nr. 2:

Steht das Verb in Verbindung mit einem Substantiv, wird die Substantivierung groß- und zusammengeschrieben: Fahrrad fahren – das Fahrradfahren

Fälle, in denen bei Wortgruppen Substantivierungen gebildet werden, bereiten bekanntlich die größten Schwierigkeiten.

Das ist umso ärgerlicher, da diese Substantivierungen im täglichen Sprachgebrauch häufig vorkommen. Und dementsprechend häufig falsch geschrieben werden.

Jedenfalls bis heute. Denn damit machen wir jetzt Schluss.

 

Grundsätzlich gilt: Ist der erste Bestandteil ein Substantiv, dann ist die Getrenntschreibung der Normalfall.

Beispiele:

  • Heute gehe ich mit meiner Familie Fahrrad fahren.
  • Am Wochenende werde ich mit meinen Freunden Fußball spielen.

Bei Substantivierung wird in beiden Beispielsfällen (groß- und) zusammengeschrieben.

  • Das Fahrradfahren mit meiner Familie hat mit gutgetan.
  • Beim Fußballspielen bin ich der glücklichste Mensch.

 

Besteht die Wortgruppe also aus einem Substantiv und einem Verb, z. B. -> Fahrrad fahren, schreibt man getrennt. Dabei bleibt das Substantiv natürlich groß und das Verb klein. Immer? Nein, auch hier existieren ein paar Ausnahmen.

 

Ausnahmsweise: Substantiv + Verb = Kleinschreibung

In den folgenden Beispielen wird das („verblasste“) Substantiv zum Verb gezogen. Solche Verbindungen schreibt man klein.

preisgeben, leidtun, eislaufen, standhalten, stattfinden, statthaben, stattgeben, nottun, kopfstehen, eislaufen, teilnehmen, teilhaben, wundernehmen

Selbstverständlich können diese Wörter auch getrennt (geschrieben) werden. Aber Vorsicht! Auch in diesen Fällen werden beide Teile kleingeschrieben.

Beispiele:

  • Es tut mir leid, dass Ihnen die Vorstellung nicht gefallen hat.
  • Meine Doktorarbeit hält jeder Überprüfung stand.

 

Großschreibung? Kleinschreibung? Egal, geht beides.

Weniger zur Verwirrung als vielmehr zur Beruhigung, will ich ergänzend folgende Verbindungen aufzählen, bei denen sowohl Groß- als auch Kleinschreibung erlaubt ist.

Im Unterschied zu den vorherigen Beispielen, wird das Substantiv jedoch weiterhin großgeschrieben.

Hier ist beides möglich – Groß- UND Kleinschreibung:

  • achtgeben / Acht geben
  • achthaben / Acht haben
  • haltmachen / Halt machen
  • maßhalten / Maß halten

 

Kommen wir zu unserer Übung am Textanfang zurück. Sie erinnern sich, wir wollten eislaufen gehen …?

Wie in Regel 2 erläutert, wird in der Verbindung Substantiv + Verb getrennt geschrieben.

Daher ist Punkt 1 richtig:

Am liebsten gehe ich Schlittschuh laufen.

Daneben ist Punkt 2 korrekt, da bei der Substantivierung groß- und zusammengeschrieben wird.

Beim Schlittschuhlaufen bekomme ich immer kalte Füße.

(Die Punkte 3. und 4. sind dagegen Unsinn.)

Was man unbedingt unterlassen sollte, sind Schreibweisen wie:

„… den Kindern beim groß/älter Werden zuschauen.“

Kinder können zwar groß werden. Aber erst beim Älterwerden müssen wir sie langsam ziehen lassen.

 

Regel Nr. 3:

Substantivisch gebrauchte Infinitive (mit mehreren Bestandteilen) werden mit Bindestrichen versehen

Kommen bei der Substantivierung von Verben Bindestriche ins Spiel, wird es ein wenig komplizierter.

Denn substantivisch gebrauchte Infinitive mit mehreren Bestandteilen schreibt man mit Bindestrichen. Diese Schreibweise ist lediglich der Übersichtlichkeit geschuldet. Laut Duden werden somit „schwer lesbare Aneinanderreihungen“ vermieden.

Zu beachten ist hierbei, dass neben allen vorkommenden Nomen sowohl das erste Wort als auch das substantivierte Wort großgeschrieben werden. Alle anderen Wörter bleiben klein.

Beispiele:

  • zum Aus-der-Haut-Fahren
  • das Über-den-grünen-Klee-Loben
  • das In-den-Tag-hinein-Leben

Auch hier gibt es Ausnahmen. Wörter wie

  • das Ingangsetzen
  • das Zuspätkommen
  • das Inkrafttreten

sind als solche gebräuchlich und daher auch ohne Bindestriche möglich.

 

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