wie viele menschen sterben jedes Jahr in Deutschland

 

Wie viele Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland?

 

Als ich Freunden und Bekannten diese Frage gestellt habe, bekam ich als (falsche) Antworten Werte zwischen 50 und 500. Ich darf verraten, dass sie deutlich danebenlagen. Ich selbst wusste die richtige Antwort auch nicht. Nicht mal annähernd. Aber wer will so etwas überhaupt wissen? Und: Warum sollte die Anzahl der Toten in Deutschland wichtig sein? Womöglich ist die Beantwortung dieser Fragen nicht wirklich „wichtig“. Aber das Wissen darüber, wie viele Menschen durchschnittlich pro Jahr, Monat und Tag in Deutschland sterben, kann dabei helfen, den Überblick zu bewahren. Und zwar darüber, welche Zahlen in punkto Geburt und Tod als „normal“ anzusehen sind.

 

Warum uns nackte Zahlen über den Tod beruhigen können

In diesen Punkten besser Bescheid zu wissen, kann bei all den Sorgen und der entstehenden Panik in der Coronakrise helfen, ja sogar beruhigen. Es erscheint paradox: Die Tatsache, dass täglich grundsätzlich viele Menschen sterben, relativiert die Zahl der Toten, die „durch“ das Virus SARS-CoV-2 gestorben sind, zu einem kleinen Teil. Auch wenn natürlich jeder Covid-19-Todesfall ein Todesfall zu viel ist. Währenddessen explodieren in den Zeitungen, im Videotext, bei Maybrit Illner, facebook oder im Radio die Zahlen der Infizierten und Gestorbenen jeden Tag aufs Neue.

Vor allem in Italien, so kann man den Eindruck gewinnen, sterbe bald die halbe Bevölkerung weg. Stand heute (01.04.20) sind in Italien bereits 13.155 Menschen „an den Folgen“ des Coronavirus gestorben (bei 80.572 „aktiven“ Infektionen).

Auch wenn dieser Trend neuerdings erfreulicherweise leicht stagniert oder sogar rückläufig ist, sind das natürlich erschreckend hohe Zahlen.

Um diese Werte für die italienische Bevölkerung einordnen zu können, zuerst ein Blick auf die jährlichen – wohlgemerkt Corona unabhängigen – Sterbefälle in Deutschland:

Wikipedia listet in einer Tabelle über die Geburtenbilanz die Anzahl der sogenannten Lebendgeburten auf. In derselben Tabelle werden diesen Werten die Sterbefälle im Zeitraum von 1990 bis 2016 gegenübergestellt.

Sämtliche Zahlen stammen übrigens vom Statistischen Bundesamt.

Bei aktuell ca. 83,1 Mio. Einwohnern mag die Tatsache, dass sich die Zahl der Geburten und die der Todesfälle in etwa ähnlich sind, beruhigen. Seit 1990 verzeichnen wir im Ergebnis einen schwachen Bevölkerungsrückgang, bei einer Geburtenbilanz von -15.770 (1990) bis -211.756 (2013).

Kommen wir nun zur eingangs gestellten Frage, wie viele Menschen denn jedes Jahr in Deutschland sterben.

 

Wie viele Menschen sterben denn nun jedes Jahr in Deutschland?

Das Statistische Bundesamt weist für das Jahr 2019 insgesamt 954.900 Gestorbene aus.

(Danach starben monatlich durchschnittlich 79.575 Menschen.)

Überträgt man die Zahl auf das gesamte Jahr und teilt sie durch 365 (Tage), so ergibt sich im Schnitt (wenn auch „nach einer vorläufigen Schätzung“):

 

Pro Tag starben im Jahr 2019 in Deutschland 2.616 Menschen.

Sterberate Deutschland

Ich gebe zu, dass mich dieser Wert überrascht hat. Ich wäre nie davon ausgegangen, dass in Deutschland jeden Tag so viele Menschen sterben: 2.616 pro Tag!

Wenn ich mir dazu die Schätzungen meiner Befragten vor Augen führe, dann ist anzunehmen, dass auch sie sich über diese hohe Zahl wundern werden …

Betrachten wir uns das Jahr 2016 genauer, bedeutet dies konkret:

792.131 Lebendgeborenen standen (im Schnitt: 2.170 pro Tag)

910.902 Verstorbene gegenüber (im Schnitt: 2.495 pro Tag)

(Geburtenbilanz: -118.771).

Zwar erschüttert, registriere ich dennoch nüchtern, dass hier in Deutschland täglich eine Menge Menschen sterben. Jedenfalls weit mehr als ich für möglich gehalten hatte.

 

Das sind die häufigsten Todesursachen in Deutschland

Die (Haupt-)Todesursachen der insgesamt 932.272 gestorbenen Menschen im Jahr 2017:

  1. Herz-Kreislauf-Erkrankungen: 344.500
  2. Krebs: 227.600
  3. Krankheiten des Atmungssytems: 68.400

 

Da es hier um Statistiken BIS ZUM JAHR 2019 geht, ist klar, dass diese Zahlen nichts mit der Verbreitung des Coronavirus bzw. der Influenza zu tun haben!

Lediglich im Winter 2017/18, als das RKI selbst angab, dass schätzungsweise 25.100 Menschen an der Influenza (Grippewelle) starben, lagen die Todeszahlen in diesen Monaten höher als zur gleichen Zeit in den vergangenen Jahren.

Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, betonte damals: „Das ist die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren.“

Insgesamt zählte man in jenem Winter übrigens ca. 9.000.000 (neun Mio.) Arztbesuche, „die der Influenza zugeschrieben wurden“.

Ergänzend folgende Zahlen in Deutschland zur Coronakrise (Stand: 02.04.20):

Infizierte: 73.522

Todesfälle: 872

 

Sterben die Menschen „an“ oder „mit“ bzw. „im Zusammenhang mit“ dem Coronavirus?

„ARD-Faktenfinder“ Patrik Gensing erläutert hierzu, dass der Grippe-Coronavirus-Vergleich hinke und zudem „unseriös“ sei.

Im Fall der Grippewelle im Jahr 2017/18 sei oft nicht klar, „ob jemand an einer Grippe oder beispielsweise einer Lungenentzündung gestorben ist.“ Ob dieses Argument jedoch ebenso gut auf die Todesfälle infolge einer Infizierung mit dem Coronavirus anzuwenden ist, lässt Gensing indes unbeantwortet.

Weiter räumt er ein, dass derzeit niemand genau sagen könne, „wie sich die Zahl der Infizierten und die Sterberate bei der Corona-Pandemie entwickeln werde.“

Die entscheidende Frage, ob jemand „an“ bzw. „infolge“ des Coronavirus oder lediglich „mit“ dem Virus SARS-CoV-2 (d. h. neben einer oder mehreren Vorerkrankungen) gestorben ist, wird im Hinblick auf die Genauigkeit der Zahlen noch weiter zu beobachten sein.

In Deutschland können wir im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn erfreulicherweise relativ niedrige Zahlen von Infizierten und Gestorbenen aufweisen. Wir hoffen alle, dass wir die Zahl der Opfer, die durch das Coronavirus sterben, schnell in den Griff bekommen und nachhaltig senken können.

Denn, auch wenn vor allem ältere Menschen ab ca. 80 Jahre (meistens mit zwei oder mehr Vorerkrankungen) die Hauptrisikogruppe darstellen, selbst wenn eine Infektion nicht gleich Erkrankungen mit schwerem Verlauf bedeuten, so gilt es doch, bereits die Zahl der Infektionen möglichst gering zu halten.

Während Italien (neben Spanien) täglich neue Rekordzahlen meldet …

 

Warum sterben in Italien so viele Menschen am Coronavirus?

Das ist eine Frage, die selbst von Wissenschaftlern und Virologen nicht abschließend beantwortet werden kann.

Während man beim SPIEGEL von „Pech“, einem überlasteten Gesundheitssystem und einer unbemerkten Ausbreitung spricht

äußert der MDR zum einen Zweifel an der Aussagekraft der Zählmethoden, anhand derer die gemeldeten Fälle, die Infizierten und die Todesfälle in Relation zueinander gebracht werden.

Des Weiteren werden die Gründe für die hohen Todeszahlen in Italien u. a. in folgenden Aspekten gesehen:

  • der Demographie Italiens (überdurchschnittlich alt),
  • der Form des Zusammenlebens (generationsübergreifend in einem Haus)
  • der Anzahl der Tests (in Italien würden vor allem ältere Menschen getestet)
  • der Überfüllung der italienischen Krankenhäuser

Coranavirus Italien

Sterben während bzw. wegen der Coronakrise täglich mehr Italiener als sonst an Covid-19?

Ähnlich wie in Deutschland beträgt die jährliche Sterberate (auch Bruttosterbeziffer genannt) in Italien etwa 1 %. Laut Statistischem Bundesamt betrug die Sterberate in Deutschland 2018 (geschätzt) 11,5 Sterbefälle pro 1.000 Einwohner, also 1,15 %).

In Italien lag sie im gleichen Jahr mit 1,05 % knapp darunter.

Demzufolge wurden 2018 bei einer durchschnittlichen (über das ganze Jahr gesehen) Bevölkerungsanzahl von 60.359.546 insgesamt 633.133 Gestorbene verzeichnet.

 

Pro Tag starben im Jahr 2018 in Italien durchschnittlich: 1.734 Menschen

(633.133 / 365 = 1.734)

(Im Jahr 2017 waren es insgesamt 649.061 Gestorbene.)

 

Auch an dieser Stelle ergänzend die aktuellen Zahlen aus Italien zur Coronakrise (Stand: 01.04.20):

Gesamtinfektionen: 110.574 (Tote/Infizierte/Genesene)

Todesfälle: 13.155

Das Ermitteln der Sterbefälle in Deutschland und Italien ist eine nüchterne und eher „kühle“ Beschäftigung. Dennoch sollte man wissen, wie viele Menschen pro Jahr in Deutschland sterben. Gerade um Begrifflichkeiten wie „Panik“ nicht inflationär zu gebrauchen oder gar nicht erst verwenden zu müssen.

Ob die Mortalität (Sterberate in %) der Gesamtbevölkerung von Italien oder Deutschland während der Coronakrise erheblich höher sein wird als üblich, ist mangels tagesaktueller Zahlen zum heutigen Zeitpunkt nicht zu sagen. Demzufolge wissen wir (noch) nicht, ob seit Ausbruch der Pandemie mehr Menschen sterben als in den Jahren (ohne Coronavirus) zuvor. Hoffen wir in punkto Sterblichkeit auf insgesamt niedrige Zahlen für das Jahr 2020.