Peter Hase Kritik

 

 

Peter Hase – Kritik (Peter Rabbit, 2018)

 

Was wird erzählt?

Das größte Hobby von Peter Hase hat (Familien-)Tradition: den Garten von Mr. McGregor plündern. Dieser jedoch kann Hasen so wenig leiden, dass er am liebsten Pastete aus ihnen macht. So bereits geschehen bei Peters Vater. Daher müssen Peter und seine drei Schwestern bei ihrem Streifzug durch Beete und Gemüsestauden höllisch gut aufpassen, wollen sie nicht ähnlich kulinarisch enden. Als der grantige Hasenwidersacher stirbt, scheint Ruhe ins Hasenparadies einzukehren. Die veganen Leckereien sind vorübergehend so ungeschützt wie heiß begehrt. Das ändert sich schlagartig, als McGregors Neffe (Domhnall Gleeson) das Erbe antritt – als Hauseigentümer wie auch als überaus konsequenter Langohrjäger. Dessen Hasenvernichtungsdrang wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, als er die hasenverehrende Nachbarin Bea (Rose Byrne) kennen und lieben lernt. Denn die möchte ihre Lieblinge vor weiteren Sprengstoffattacken bewahren …

 

So muss Animation meets Echtfilm 2018 aussehen

 

Lohnt sich das?

Als in den 90ern Ein Schweinchen namens Babe in die Kinos kam, begann der Rezensent einer renommierten deutschen Filmzeitschrift seinen Artikel mit den Worten: „Vergessen Sie alles, was Sie über Tierfilme gesehen haben.“ Ganz so krass fällt die Herangehensweise an den Kinderfilm Peter Hase nicht aus.

Aber die hervorragende Tricktechnik von heute kennt keine Grenzen mehr.

Endlich traben keine schwerfälligen Dinosaurier mehr wie aus einem lähmenden Simulationsspiel eines C64 über die Leinwand. Was einem in „Jurassic Parc“ noch als technische Weltsensation verkauft wurde, mutet heute wie besseres Daumenkino an.

 

Peter Hase wirkt echt (wie das Schweinchen Babe). Endlich hat man das Gefühl, die Echtschauspieler agieren wirklich mit den Animationsplüschen! Und die Augen gucken nicht einen halben Meter am linken Fellohr vorbei.

Es passt. Nichts wackelt mehr. Und der Film selbst hat auch wenig Luft nach oben. Es gibt mehrere Gründe, weshalb meine Peter Hase Kritik positiv ausfällt.

 

Peter Hase Filmkritik

PETER RABBIT™ & © Frederick Warne & Co PETER RABBIT™. The Movie © 2018 CPII Al Rights Reserved.

„Peter Hase“ ist eine amerikanisch-australische Co-Produktion, die die Kindererwartungen ans Kinoerlebnis überaus zeitgemäß erfüllt. Weniger kuschelig als das „Schweinchen“, dessen Bilder wie in bester Til-Schweiger-Manie scheinbar mit einem warm-gelben Honigfilter überzogen wurden. Stattdessen bunt, schnell, witzig, auch mal rührend und absolut kindgerecht (FSK 0). Bis auf die Brombeer-Attacke auf den darauf allergisch reagierenden Mr. Gregor … Die Macher haben sich mittlerweile dafür entschuldigt.

Aber wie würden Sie reagieren, wenn man Ihren (Hasen-)Vater zu Pastete verarbeitet hätte …?! Lassen wir das. Keine Angst, die erwachsene Begleitperson hat wenig Chancen, sich zu langweilen. Dafür passiert zu viel.

 

Passend zu Ostern. Und an allen anderen Tagen.

Dass der Peter Hase-Film insgesamt dennoch nicht hektisch und überladen ist, verdankt er einem feinen Gespür für das richtige Timing.

Da wären zu nennen: das Hasenchaos im und ums Haus des früh ablebenden McGregor (Sam Neill), der neu aufflammende Mensch-Hasen-Kampf zwischen dessen erbenden Neffen (Domhnall Gleeson) und Peters Hasenfamilie, die Liebesbeziehung zwischen eben jenem Neffen und der Hasennärrin Bea (Rose Byrne) und ein ständiges Hin und Her zwischen dem idyllisch-ländlichen Gemüsegarten und der imposanten London-Skyline.

 

Es ist nur ein kleiner Hase – aber der macht den schnellen Unterschied.

 

Oder anders ausgedrückt: Warum wird man denn so gut unterhalten?

In Wahrheit ist es mehr als nur ein Hase. Es ist die Inszenierung, die weiß, wann man etwas mehr drauflegen kann oder vielleicht doch einen Gang zurückschalten muss. Dabei geht es weniger um den A-bis-Z-Handlungsstrang, der einen antreibt und durch den Film peitscht. Und das (Liebes-)Happy End ist auch mehr eine Frage des Wies als des Ob.

 

Peter Rabbit auf High-Speed

Aber trotz einer James-Bond-würdigen Anzahl von Schnitten, trotz einer fast berstenden Gagdichte folgt man „Peter Hase“ gern und mühelos aufmerksam. Bei den zahlreichen Witzen gibt es unzählige Anspielungen, Wortspielereien und eine gut funktionierende Situationskomik. Noch mehr ausgetobt haben sich die Macher Will Gluck („Einfach zu haben“) und Rob Lieber jedoch bei der actiongeladenen Hasen-Choreografie.

 

Wie hier ein Springen, Rutschen, Fliegen, Bremsen, Fallen oder Laufen teuflisch synchron und hervorragend echt in den Realfilm eingebaut wurde, sucht seinesgleichen. Diese Hasenstunts haben mit dem Langohrklassiker Roger Rabbit wenig gemein. Auch wenn der Vergleich ein wenig hinkt – Hasenfilme kennen wir viele (Watership Down, Hop, Space Jam, Bugs Bunny oder Keinohrhasen …), aber so einen Peter Hase Film gab es noch nicht.

 

GO spell Peter Hase

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Nichts für Nostalgiker und was hat das Buch mit dem Film zu tun?!

 

Nein, ich stelle keinen Buch-Film-Vergleich an (siehe auch: Fifty Shades of Grey).

 

Hierzu ein kleiner Exkurs:

Aus welchen Gründen sollte man eine Peter Hase Filmkritik mit einer Buchrezension in Verbindung bringen?

Das ist weder hier noch an anderer Stelle angebracht. Wie sollte man das geschriebene Wort (und der damit einhergehenden eigenen Fantasie) mit Bild und Ton auf der Leinwand vergleichen können? Und vor allem: warum? Lesen ist eine rein aktive Tätigkeit. Dabei entstehen im Kopf des Lesers neue Bilder, werden Emotionen geweckt.

Beim Filmkonsum ist man in einer viel passiveren Haltung. Man bekommt die Handlung komplett serviert (Emotionen inklusive). Ich fand diese Diskussion schon immer unnütz und albern. Denn: Es gibt genug spannend inszenierte Filme, deren Buchvorlage so aufregend ist wie die Biografie eines Jörg Pilawa.

Und umgekehrt: Zahlreiche bedeutende Romane wurden „filmisch miserabel umgesetzt“. Aber was heißt das? Diese Filme können doch rückwirkend die Qualität der Romanvorlage nicht schmälern! Es mag den Autor vielleicht freuen, wenn aus seinem Buch ein gelungener Kinofilm entstanden ist. Jedoch ist die ursprüngliche Geschichte selten für die filmische Umsetzung vorgesehen. Abgesehen von Drehbuchautoren mit Auftragsarbeiten für den Film, denkt der Schriftsteller an seine Story, die es noch zu entwickeln gilt. Und nicht an Beleuchtung, Ausstattung und Besetzung.

Das Lesen eines Buches ist eine in sich abgeschlossene Handlung. Sie wird nicht durch die Verfilmung des Stoffes vervollständigt.

Buch ist Buch. Und Film ist Film. Basta. Schnitt!

 

Zurück zum Film:

Die Buchvorlage (1902) der in London geborenen Beatrix Potter wird im Peter Hase Film gerade einmal mit etwa 20 Anfangs-Minuten „gewürdigt“. Ab dann geht die Filmhandlung über das Buchende hinaus. Wie auch immer – das Buch erfüllt andere Kategorien und bleibt daher auch weiterhin neben jeder neuen Verfilmung bestehen. Auch neben dem Peter Hase Film.

 

Geweihträger im Scheinwerferlicht

Wollen wir zum Schluss noch einen Blick auf die Optik werfen … und auf die Stimmen.

Über die gelungene Hasenanimation selbst bereits ausufernd lobend geäußert, ist es daneben ein Genuss, die Augen über die Bilder- und Farbenpracht staunen zu lassen. Jeder Hobbygärtner wünscht sich einen so natürlich angelegten Garten, der die üppigsten und knallig-buntesten Früchte hergibt.

 

Kein Wunder, dass Peter und seine Familie kaum andere Hobbys als Fressen haben.

 

Ihre „Garderobe“ ist schlicht aber prägnant. Die Landhäuser würde man sofort anmieten wollen. Und London wird à la Sightseeing-Tour präsentiert, die über die imposante Skyline und das Harrods-Kaufhaus weit hinausgeht.

Dass man mit Rose Byrne und Domhnall Gleeson zwei „echte“ Schauspieler gefunden hat, die nicht nur ansehnlich sind, sondern auch gut in die mit Lust gespielten Rollen passen, rundet die Produktion stimmig ab.

 

Peter Rabbit movie

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Zum Soundcheck und den Synchronstimmen:

Christoph Maria Herbst leiht Peter seine lustig-charakteristische Stimme. Die Schwestern Mopsi, Wuschelpuschel und Mopsi Hase werden von Jessica Schwarz, Anja Kling und Heike Makatsch prominent gekonnt vertont.

Als Mini Running-Gag wird dem Besucher noch ein kurzer Einblick in die Seele des Hirsches und seiner Artgenossen gewährt. Wer bei der Szene mit dem heranfahrenden Auto ebenso regungslos bleibt wie das Tier mit der Kopfverästelung, tja, der sollte vielleicht in der Tat das Buch wählen, wenn er an Die Geschichte von Peter Hase denkt. Alle anderen können beruhigt sitzen bleiben und den Film genießen. So habe ich es gemacht.

 

Peter Hase Review

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Mein Fazit:

Ein Kinderfilm – geeignet für alle. Aber besonders für Familien, die mit ihren eher jüngeren Kindern gemeinsam Spaß haben wollen. Denn den finden sie hier. Actiongeladen, akribisch ausgestattet und arrangiert, unterhält der 96-minütige Real-/Animationsfilm mühelos bis zum letzten Bild. Oder Witz. Oder Stunt. Und genau deswegen fällt meine Peter Hase Kritik positiv aus.

 

9 von 10 Ostereier sind ihm sicher. Kinder geben auch mal 10.