Oscarverleihung 2019 Gewinner

 

Die Oscarverleihung 2019 und ihre Gewinner

Das war sie also. Die Oscarverleihung 2019 und ihre Gewinner in Prinzessinnenkleidern und dem dazu passenden Goldjungen mit Schwert in der Hand. Wenn man den meisten Zeremonienmeister und Preisverleihungskritikern Glauben schenken will, war die Feier nicht nur ohne „host“, sondern auch ohne „political correctness“. Hat am Ende der falsche Film gewonnen? Waren wenigstens die Zuschauer zufrieden? Hier gibt’s alle Academy-Awards-Gewinner.

 

Back to Black

„The winner is …“ wurde übrigens vor exakt dreißig Jahren durch „The Oscar goes to …“ ersetzt. Man wollte mit der Auszeichnung des Gewinners nicht gleich vier (oder zwei) andere Verlierer outen. Viel korrekter geht es nun wirklich nicht. Was heute viel wichtiger ist: Der afroamerikanische Film und vor allem seine afroamerikanischen Schauspieler sind wieder mehr in den Fokus gerückt. Aber was heißt hier „in den Fokus gerückt?!“ Denn der „schwarze Film“ dominiert Hollywood! Der Beste Film des Jahres 2018 Green Book hat den Rassismus sogar zum Hauptthema gemacht. Oder etwa doch nicht …?

Nachdem man der Academy noch vor wenigen Jahren eine bewusste Nichtberücksichtigung von schwarzen Schauspielern vorgeworfen hatte, ist der weiße Amerikaner bei der Oscarverleihung 2019 gefühlt in der Unterzahl. Das ist jedoch weder gut noch schlecht zu bewerten. Sondern schlicht das Ergebnis der abgegebenen Stimmen der Academy-Mitglieder. Trotzdem war es gut, diese auserwählte Gruppe von eher älteren, weißen Männern nach den ausschließlich „unschwarzen“ Nominierungen der Jahre 2015 und 2016 darauf hinzuweisen, wieder mehr auf “Schwarz” zu setzen. Und wieder mehr afroamerikanische Schauspieler zu berücksichtigen. Gesagt, getan: Von den zwölf Schauspieler-Oscars der vergangenen drei Jahre gingen vier Trophäen an Afroamerikaner (2 x Mahershala Ali, Viola Davis und Regina King). Dazu der diesjährige Oscar für den Besten Hauptdarsteller an den US-Amerikaner Rami Malek, ein Sohn ägyptischer Eltern.

 

Wie lange dauert eigentlich ein Oscar-nominierter Film?

Black is wieder beautiful und deshalb liefen im Jahr 2018 Filme über schwarze Panther und schwarze Klansmänner. Black Power und Blaxploitation sind im amerikanischen Kino wieder angesagt. Wie passt da ein Film über ein grünes Buch rein? Im Grunde gar nicht. Letztendlich genauso wenig wie im Jahr 1976, als Taxi Driver gegen Rocky verlor. Oder 2010, als The Hurt Locker den Film Avatar besiegte. Das Problem bei einem inhaltlichen Vergleich ist die Unabhängigkeit der einzelnen Produktionen. Auch im Jahr 2018 haben sich die großen Studios (und Netflix, Roma) nicht auf eine (gesellschafts-)politische, action- oder komödienorientierte Ausrichtung verständigt.

Lediglich bei der Filmlänge scheint es Absprachen gegeben zu haben … Gleich sieben der acht Nominierten dauern zwischen 131 und 136 Minuten:

 

Green Book ist kein Rassismusdrama

Jedenfalls weisen die 8-10 nominierten Kandidaten für den Besten Film allenfalls zufällig vergleichbare Themen oder Erzählstrukturen auf. Sich einen Tag nach der Oscarnacht über den „falschen“ oder zu Unrecht ausgezeichneten Rassismusfilm zu äußern, ist daher schon per se albern.

Denn Green Book ist vieles, jedoch kein klassisches Rassismusdrama. Der erste ernstere Film von Bobby Farrelly ist ein netter, „kleiner“ Film über eine Männerfreundschaft, die sich in den 60er Jahren findet und auch gleich beweisen muss (-> siehe Green Book Kritik). Hier geht es um zwei Männer, die in Sachen Kultiviertheit, sozialem Background, Wohlstand und Hautfarbe kaum unterschiedlicher sein können. Diese Kluft zu beschreiben, die Gegensätzlichkeit der beiden Charaktere aufeinanderprallen zu lassen, sie gemeinsam in den rassistischen Süden der USA reisen zu lassen, um sich ihrer Identität bewusst zu werden – das ist die Story von Green Book. Selbstverständlich würde der brav ausgefallene Film ohne den Hintergrund so nicht funktionieren. Aber im Vordergrund steht die Freundschaft zwischen dem gebildeten Pianisten Don Shirley auf der Suche nach seiner Identität und dem rauen Türsteher Tony Lip, der zwar ausreichend Zeit, aber zu wenig Geld hat.

Erzählt wird eine private Geschichte, die sich als zeitliche Einbettung einen dunklen Teil der amerikanischen Vergangenheitsbewältigung in Sachen Rassenhass zu Nutze gemacht hat. Eine Periode, die heute noch aktueller ist, als einem lieb sein kann. Der bei der Oscarverleihung 2019 als Gewinner des Besten Films ausgezeichnete Streifen beschreibt demnach die persönliche Überwindung eigener und regional-gesellschaftlich bestimmter Grenzen.

 

The Oscars 2019 – schwarz, schwärzer, BlacKkKlansman

Demgegenüber ist Spike Lees BlacKkKlansman weitaus politischer geraten. Die Gewichtung Botschaft/Story verhält sich beinahe konträr zum Schauspielkino à la Green Book. Demzufolge springen den Zuschauer In der Ku-Klux-Klan-Posse Themen wie Rassendiskriminierung und der Kampf um Gleichberechtigung ganz bewusst in beinahe jeder Szene an. Der Clou bei diesem Vergleich: Beide Filme haben den Oscar für das Beste Drehbuch gewonnen. Green Book für die Originalversion, an der Regisseur Bobby Farrelly und Tony Lips Sohn, Nick Vallelonga, mitgearbeitet hat. Wohingegen Lees Dramedy für das beste Skript nach dem autobiographischen Buch der Hauptfigur Ron Stallworth ausgezeichnet wurde.

 

Der Drehbuch-Oscar 2019 für Ku-Klux-Klan-Klamauk

Der Oscar für Spike Lee als Co-Autor inklusive seines emotionalen Auftritts vor und auf der Bühne war vielleicht der emotionale Höhepunkt der Oscarverleihung 2019. Gleichzeitig eine Genugtuung für Cineasten jeder Couleur. Denn Lee steht seit gut drei Jahrzehnten wie kein anderer für eine kritische Auseinandersetzung mit dem leider ewig aktuellen Thema Rassendiskriminierung. Und natürlich für das von ihm selbst gegründete New Black Cinema. Filme wie She’s gotta have it, Mo‘ better Blues und Malcolm X verdeutlichen seinen neorealistischen Stil. Am vergangenen Sonntag zeigte Presenter Samuel L. Jackson auch sehr offen seine Freude über Lees ersten Oscar. Dementsprechend werden sich Denzel Washington und Halle Berry ebenfalls über dessen Preis mitgefreut haben – gelten die späteren Oscargewinner doch als seine Entdeckungen aus den 80ern.

Die Oscarverleihung 2019 hatte viele Gewinner. Zu einem viralen Hit im Netz wurde die emotionale Dankesrede von Olivia Colman, die für die Darstellung der Königin Anne (in: The Favourite) den Oscar für die Beste weibliche Hauptrolle entgegennehmen durfte. So macht man das bei der Oscarverleihung 2019: Die echt empfundene Freude über die Goldstatue mit knapp 1 Milliarde Menschen teilen, den Mann und die Kinder lobend erwähnen und daneben auf sympathische Weise witzig sein. Schon allein für diese unterhaltsamen drei Minuten hätte sie einen Preis verdient.

Insgesamt machten es die Presenter und die Oscar-Gewinner souverän und authentisch gefühlvoll. Allerdings sind sie ja auch die Kinder des (Hollywood-)Olymp! Dennoch war die notgeborene Idee, die Oscarnacht ohne Gastgeber zu veranstalten, keine besonders gute.

 

Eine Oscarverleihung ohne Gastgeber

Nachdem sich Komiker Kevin Hart wegen homophober Aussagen zu einem Rückzieher veranlasst sah, fand man bis kurz vor Torschluss schlicht keinen Ersatz mehr. Somit einigte man sich schließlich auf ein zeitlich strafferes Abendprogramm, das neben den hochkarätigen Presentern auf der Bühne lediglich eine weibliche Stimme aus dem Off im Angebot hatte. Einige der Präsentatoren wurden von der ominösen Unsichtbaren als ehemalige Nominierte oder Gewinner angekündigt. Ein insgesamt zu nüchterner Ablauf für eine Gala, die neben dem Superbowl immer noch das meistgesehene Fernsehereignis der Welt ist.

Schließlich bot das Jahr 2018 genügend politischen und glamourösen Gesprächs- und Sprengstoff, den ein souveräner Gastgeber mit cineastischer Message hätte gewinnbringend einbringen können. So gesehen hätten Typen wie Jon Stewart, Jimmy Kimmel oder auch ein inzwischen leicht gemäßigter Billy Crystal dem Abend gutgetan. Sozusagen das i-Tüpfelchen auf den goldenen Oscars. Aus diesem Grund fehlte einer an sich gelungenen Preisverleihung ohne Host hier und da der Biss.

Dies zeigt sich beispielhaft an den Showszenen des Abends. Immerhin war es eine nette Idee, die Band Queen in der verbliebenen Besetzung gleich zu Beginn auftreten zu lassen. Der Funke, wie beim Justin Timberlake-Auftritt 2017, sprang dagegen nicht über. Ebenso wenig konnten die einzelnen nominierten Oscar-Songs überzeugen. Sie zwangen einen nicht gerade zum Kauf oder Download des Liedes. Folglich wirkte die Oscarverleihung 2019 zwar professionell und glatt, aber auch ein wenig uninspiriert und gefühllos. So betrachtet, war die Oscarverleihung 2019 selbst nicht der große Gewinner.

 

 

Lady Gaga und Bradley Cooper kuscheln

Später waren die Medien gezwungen, den Auftritt von Lady Gaga und Bradley Cooper bei der Live-Performance ihres Gewinner-Liedes „Shallow“ derart zu hypen, als wäre man Zeuge einer musikalischen Kopulation mit gefühlsechtem Blickkontakt gewesen. So konnte man wenigstens den dringend benötigten Showhöhepunkt vorweisen.

Nichtsdestotrotz wehrte man sich bereits im zweiten Jahr in Folge – auch ohne Stand-up-Comedian – gegen Trumps Mauer im Kopf und an der Landesgrenze mit einer extra Portion Würdigung des mexikanischen Films (Shape of Water von Guillermo del Tor, 2017 und Roma von Alfonso Cuaron, 2018). Diese Botschaft haben alle verstanden. Auf Trumps Twitter-Tiraden über eine im vergangenen Jahr „maßlos überschätzte“ Meryl Streep musste man dagegen nicht mehr eingehen. Auch gut.

 

Welche Filme aus 2018 muss man denn jetzt sehen?

Das Jahr 2018 hat eine Handvoll ausgesprochen sehenswerter Filme herausgebracht, die sich auch in der Bestenliste wiederfinden. Der Fokus lag auf dem schwarzen Film, der zeitlich in den 60er und 70er Jahren verankert war. Oder bei Black Panther im futuristischen Wakanda. Eine actiongeladene Marvel-Fantasyschlacht mit atemberaubenden computergesteuerten Sequenzen, die aus optischen Gesichtspunkten der Hingucker der Saison war. Der Lohn waren die verdienten Oscars in den Kategorien: Bestes Szenenbild und Bestes Kostümdesign (und Beste Filmmusik).

Wer es politisch oder historisch wollte, war mit The Favourite und Vice – Der zweite Mann gut bedient. Schließlich konnten beide Filme jeweils gleich drei Oscarnominierungen für den Besten Schauspieler vorweisen. Allerdings bekam „nur“ Olivia Colman ihre Beste Hauptrolle vergoldet.

So kunstvoll und atmosphärisch der Schwarz-Weiß-Film Roma vom dreifachen Oscar- Gewinner Alfonso Cuarón gelungen ist, so leidenschaftslos geriet A Star is born. Die (auch in diesem Musikfilm) sympathischen Hauptdarsteller und Sänger konnten ihre Liebes- und Leidensgeschichte allenfalls vortäuschen – aber nicht glaubhaft auf die Leinwand zaubern. Leider ist dies in erster Linie Regisseur Bradley Cooper vorzuwerfen, der es auch aufgrund einer unharmonisch anmutenden Schnitttechnik nicht verstanden hat, die Figuren sorgfältig zu entwickeln.

 

Nie mehr Oscarverleihung?

Sicherlich nicht, denn Hollywood und seine Preise werden noch einige Jahre weiterleben. Wenn selbst Streamingdienste wie Netflix und Amazon in großem Stil in den Film investieren, scheint der (Kino-)Markt noch lebendig. Es gibt demzufolge ein nicht ganz unbedeutendes, künstlerisch wertvolles Gegengewicht zum Game of Thrones auf mobilen Endgeräten. Und das ist gut so. Somit wird es auch 2020 noch Oscars regnen.

Allerdings kann man davon ausgehen, dass die nächste Oscarveranstaltung wieder mit einem sorgfältig ausgesuchten Gastgeber stattfinden wird. Denn diese Verleihung hat gezeigt, dass ihr eine ordnende Hand, die mit witzigen Überleitungen durch den Abend führt, gutgetan hätte. Einerseits wurde die in den letzten Jahren leicht gebeutelte Seele der Academy Awards durch einige warm-persönliche Statements auf der Bühne gerettet. Andererseits verlieh sich die Show selbst den Stempel der unnötigen Rastlosigkeit, indem sie von Kategorie zu Kategorie durch den Abend hetzte.

Innehalten konnte man bei der alljährlichen „In Memoriam“-Sequenz, in der Hollywood-Größen wie Bernardo Bertolucci, Burt Reynolds, Milos Forman, Drehbuchautor William Goldman (Butch Cassidy and the Sundance Kid), Nicolas Roeg (Wenn die Gondeln Trauer tragen) und Albert Finney (Erin Brockovich) verabschiedet wurden.

 

Ein kleines Fazit zur Oscarverleihung 2019

  1. Der diesjährige Gewinner Green Book muss sich seines gewonnenen Hauptpreises nicht schämen.
  2. Spike Lee hat endlich seinen verdienten Oscar.
  3. Black movies sind wieder „in“.
  4. Wer eine Party veranstaltet, sollte rechtzeitig einen Gastgeber zur Hand haben.
  5. Lady Gaga und Bradley Cooper sind kein Paar.
  6. Oscar-Dankesreden (wie die von Olivia Colman) rühren immer noch (zu Tränen).

 

Oscarverleihung 2019 – alle Gewinner:

  • Bester Film: Green Book – Eine besondere Freundschaft
  • Bester Hauptdarsteller: Rami Malek
  • Beste Hauptdarstellerin: Olivia Colman
  • Bester Nebendarsteller: Mahershala Ali
  • Beste Nebendarstellerin: Regina King
  • Beste Regie: Alfonso Cuarón
  • Bestes Originaldrehbuch: Green Book – Eine besondere Freundschaft
  • Bestes adaptiertes Drehbuch: BlacKkKlansman
  • Bester animierter Kurzfilm: Bao
  • Beste Kamera: Roma. Alfonso Cuarón
  • Bester fremdsprachiger Film: Roma (Mexiko). Alfonso Cuarón
  • Bester Dokumentarfilm: Free Solo
  • Bestes Make-up und beste Frisuren: Vice – Der zweite Mann
  • Bester Tonschnitt: Bohemian Rhapsody
  • Bestes Kostümdesign: Black Panther
  • Bester Schnitt: Bohemian Rhapsody
  • Bestes Szenenbild: Black Panther
  • Bester Ton: Bohemian Rhapsody
  • Bester Dokumentar-Kurzfilm: Period. End of Sentence
  • Beste visuelle Effekte: Aufbruch zum Mond (First Man)
  • Bester Animationsfilm: Spider-Man: A New Universe
  • Bester Kurzfilm: Skin
  • Beste Filmmusik: Black Panther
  • Bester Filmsong: “Shallow” von Bradley Cooper und Lady Gaga (“A Star is born”)