Filmkritiken gospell Göran Ruser

Film

Darum schreibe ich Filmkritiken

 

Als die Bilder laufen lernten … gab es mich noch nicht.

 

Auch als der Ton kam, war ich noch still.

 

Als ich selbst laufen lernte, kannte ich zwar weder „Rosebud“ noch den „Zauberer von Oz“. Aber immerhin „meinen Paten“ und die ein oder andere Schachtel Pralinen …

 

Das änderte sich jedoch schnell. Seit etwa drei Jahrzehnten verfolge ich den Film in Hollywood und Europa. Dabei fand ich Filmklassiker in schwarz-weiß schon immer genauso witzig, klug und unterhaltsam wie das moderne Kino. Aber was heißt hier „schwarz-weiß“? Vom Winde verweht aus dem Jahr 1939 ist einer der farbenprächtigsten Filme und hat seinen berechtigten Platz in der Filmgeschichte (und in meinem Filmschrank) gefunden.

 

Um mein Geburtsjahr liefen Filme wie Harold und Maude, Uhrwerk Orange, Patton und M.A.S.H. im Kino. Mein erstes Kino-Jahrzehnt waren die 80er Jahre mit so unterschiedlichen Filmen wie E.T., Jenseits von Afrika, Zurück in die Zukunft, Zeit der Zärtlichkeit, Beverly Hills Cop, Gandhi und Amadeus.

Mit ungefähr 10-11 waren mir die meisten Hollywoodstars ein Begriff – von der goldenen Ära bis in die 70er Jahre hinein. Das Kino war damals ein Ort, den man beinahe wöchentlich aufgesucht hat. Außerdem war das familiäre Umfeld ausreichend filmaffin. Der Film hatte mich, ich hatte die Filme.

 

 

Star Trek vs. La La Land

Somit ist das Schreiben über Filme für mich gleichermaßen Spaß wie Bedürfnis, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Aus diesem Grund schreibe ich Filmkritiken. Bevorzugt über Filme, die mir persönlich etwas bedeuten. Das sind die Filme, bei denen ich das Bemühen erkenne, sowohl (Schauspiel-)Kunst wie auch Unterhaltung zu bieten. Das gelingt mir weniger gut bei Filmen wie Star Trek und Fluch der Karibik. Mehr Begeisterung zeige ich bei Produktionen aus den vergangenen Jahren wie Manchester by the Sea, Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit), Spotlight, 50/50 oder La La Land.

 

Meine Lieblingsfilme aus den letzten 90 Jahren …

Auf die Frage, welche Filme ihm am besten gefielen, antwortete der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen (Tatort: Reifezeugnis, Das Boot): „Heute fallen mir folgende fünf Filme ein …“

Ich klaue mir seine kluge Antwort und sage, heute (Stand: Januar 2019), zähle ich diese Filme zu meinen Lieblingsfilmen:

 

Jenseits von Afrika – Butch Cassidy and the Sundance Kid – Die Klapperschlange – Die drei Tage des Condor – Harry und Sally – Mississippi Burning – Network – Einer flog übers Kuckucksnest – Spotlight und natürlich Casablanca.

 

Was macht einen guten Film aus?

Das ist schwer zu sagen, liegt die Beurteilung eines Films doch vor allem im Auge des einzelnen Betrachters. So wird ein Film dann schnell „gut“, wenn er dem Zuschauer gefallen hat. Das heißt, auch ein handwerklich ausgezeichnet gemachter Film kann zu einem (wirtschaftlichen) Flop geraten, wenn er sein Publikum nicht findet. Daraus folgern wir, dass der Film mehr transportieren muss als Technik und Starpower, wenn er beim Kinogänger punkten soll.

Wenn wir wissen wollen, ob uns ein Film gefallen könnte, lesen wir uns als erstes die Handlung durch. Die Beschreibung auf der Rückseite einer DVD/Blu-ray weckt unser Interesse, gibt uns erste Infos. Der Plot ist das einzige, was wir von einem neuen Film wissen. Oder wir schauen uns einen Trailer an, der einen ersten Eindruck gibt, wohin die Reise geht.

Aber was sagt die Handlung über die gezeigten Gefühle im Film oder über die Erzählstruktur, den Spannungsbogen im Film aus?

Der Regisseur, die gecasteten Schauspieler, ja das gesamte Filmteam hofft aufgrund des Drehbuchs auf einen guten Wurf. Ob der Film schlussendlich „spannend“ erzählt wird und alle Beteiligten inklusive des Zuschauers zufrieden sein können, ist eine völlig andere Geschichte.

Oder konnten Sie nur aufgrund der Handlung ahnen, dass Pulp Fiction, Casablanca oder Avatar gute oder sogar herausragende Filme werden würden …?

 

Welche Filme sind erfolgreich?

Das, was uns im Kino oder vor dem Fernseher in den Sessel oder die Couch drückt, sind die großen Gefühle auf dem Schirm. Nur wenn wir mit den Emotionen des oder der Hauptdarsteller mitfühlen können, bleiben wir dran. Wenn wir mit dem persönlichen Schicksal der Protagonisten mitleiden und wissen wollen, wie der Film ausgeht, bekommt er von uns das persönliche Prädikat „wertvoll“ verliehen.

Was Hollywood-Produzenten verzweifeln lässt, aber ein Segen für uns Zuschauer ist: Blockbuster kann man nicht planen. Vielleicht von den Tributen von Panem Teil 2 und 3 … mal abgesehen.

Der renommierteste Regisseur, die größten Schauspielerstars der Gegenwart und die vermeintlich spannendste Geschichte können den Erfolg an den Kinokassen nicht garantieren. Das ist beruhigend. Denn umso mehr freuen wir uns, wenn es einem Film gelingt, uns von Anfang bis Schluss zu unterhalten.

 

Auch das Hollywood-Reißbrett ist vor Überraschungen nicht gefeit.

 

Demnach ist die Handlung zwar wichtig, macht den Mokka aber noch nicht rund.

 

Das Drehbuch wird da schon konkreter, denn da stehen die Zeilen drin, die wir später vertont zu hören bekommen. Gefühle glaubhaft rüberbringen müssen letztendlich die Schauspieler. Der Regisseur unterstützt seine Darsteller mal mehr mal weniger engagiert. Bleiben sie jedoch uninspiriert, bleibt es der Zuschauer auch.

Kamera, Ausstattung, Kostüme, Maske oder eine ins Mark gehende Filmmusik komplettieren oder veredeln das Gesamtkunstwerk. Aber all diese für den Film essentiellen Komponenten können einen seelenlosen Dreh nicht retten.

 

Wir wollen hoffen, weinen, lachen, wütend oder albern sein, uns fürchten, freuen und ärgern.

 

Dafür muss eine Menge passen. Kommen aber die richtigen Leute zur richtigen Zeit zusammen … dann schafft das kein Medium so gut wie der Film.

 

Darum ist ein Buch-Film-Vergleich wenig sinnvoll

Immer wieder hört man: „Das Buch hat mir besser gefallen als der Film.“

Mit Verlaub – ein geradezu nichtssagender, beinahe törichter Vergleich.

Denn, gemeint ist wohl, dass man das Buch geliebt hat, während man den Film nach Romanvorlage nicht mochte.

 

Ein Roman hat mit dem Medium Film erst einmal wenig zu tun. Das liegt auf der Hand.

 

Ein Buch muss man aktiv lesen. Im günstigsten Fall beglückt es den Leser ob der lebhaften Beschreibung des begabten Autors. Dabei entstehen, einmal die eigene Fantasie des Lesers erfolgreich angeregt, Bilder im Kopf, die Emotionen hervorrufen können.

Beim Film nehmen wir dagegen eine rein passive Haltung ein. Man kann sagen, je weniger der Zuschauer für seine emotionalen Filmhöhepunkte tun muss, desto gelungener der Film. Denn der Film liefert alles.

 

Der trauernde Witwer am Grab, dem die Tränen trotz starken Regens sichtbar über Wange, Lippen und Kinn laufen und dessen leerer Blick seine grenzenlose Verzweiflung greifbar macht …

 

Der seriöse Autor (dem das unbestritten ergreifender und anschaulicher gelingt als vorstehend versucht …) beschreibt allein mit seinen Worten die Szenerie inklusive der Gefühlswelt seines Protagonisten.

 

Was ist besser – Buch oder Film?

Der Filmkonsument hat es „leichter“. Alles, was der Leser an Einbildungskraft aus den geschriebenen Zeilen schöpfen muss, bekommt der Zuschauer umfassend geliefert.

Er sieht den Menschen, seine Kleidung, den Ort des Geschehens, das Wetter, das Licht, die Farben, die Kontraste. Dazu hört er Geräusche, Gespräche und die den Film untermalende Musik. Der Kinogänger sieht sogar Gefühle! Denn die muss er sich nicht vorstellen und bildlich ins Gedächtnis rufen. Diese Arbeit übernimmt der Schauspieler für ihn. Der Zuschauer reagiert sozusagen auf Bilder, die sich der Leser selbst kreieren muss. Ganz gleich wie gekonnt und detailliert dem Verfasser seine Beschreibung gelingt.

Die jeweiligen Gefühle und die hieraus resultierenden Emotionen können beim Leser und Zuschauer wiederum völlig unterschiedlich sein.

 

Beim Buch schafft es der Autor, dem Leser mit seinem kunstvollem Schreibstil die Nächte zu rauben.

 

Beim Film sind das: der Regisseur, der Drehbuchautor, die Schauspieler, der Ausstatter, der Komponist, der Schneider, der Maskenbildner, der Kameramann, der Cutter, die Special Effects … und das glückliche Zusammenspiel aller Beteiligten.

Ein Buch ist nicht besser als der daraus entstandene Film.

Aber selbstverständlich darf man enttäuscht sein, wenn einem die filmische Umsetzung seines Lieblingsromans nicht gefallen hat.

 

Fin

That’s entertainment, that’s Hollywood. Und so ist der Film auch in allen anderen Ländern.

The show can go on, von mir aus gern noch lange im Kino.

Und genauso gern schreibe ich über Filme und den Film.