Fifty Shades of Grey Kritik

 

Fifty Shades of Grey (2015) – Kritik

 

„… soll ich da mal so ein ganz frisches Steingrau empfehlen?“

Loriot hätte vermutlich seinen Spaß an den Grautönen gehabt.

Ich ziehe dem missglückten Lendenschocker auch ein 10. Mal Vicco von Bülows Ödipussi vor.

Der Film Fifty Shades of Grey (Geheimes Verlangen) ist reinstes Kassengift. Denn Drehbuch, Inszenierung, Schauspieler ergeben ein seltsames Gemisch, das dem Zuschauer sauer aufstößt. Daher bekommt man pures Arsen statt in Wallung bringenden Saft vom roten Bullen. Hier wird Valium mit Viagra verwechselt, Tranquilizer verabreicht anstatt Testosteron fließen zu lassen.

 

Was wird erzählt?

Ok, die Kurzfassung: Milliardär Chris macht die schüchterne Anastasia klar. Die ist noch Jungfrau und jobbt im Baumarkt. Wie praktisch! Denn der durchtrainierte Beau hat ein unverschämt perverses Laster. Er haut gerne Frauen. Natürlich nur, wenn sie sich vertraglich dazu einverstanden erklärt haben. Der aber auch in jeder Hinsicht bemitleidenswerte Paragraphenreiter tut dies deshalb, weil er selbst eine total miese Kindheit erleiden musste, die von Gefühlskälte und noch viel Schlimmerem geprägt war. Als er seine Wahl-Mätresse in dem hübsch eingerichteten SM-Spielzimmer so richtig nach Strich und Faden vermöbelt, ist sie stinksauer und verlässt ihn.

Das hat der lüsterne Haudrauf nun davon: Wer anderen den Arsch vermöbelt, sitzt allein in seinem Mobiliar.

Soweit das Ende von Fifty Shades of Grey (Geheimes Verlangen). Es folgten noch zwei weitere unnötige Teile.

 

9 1/2 Doktorspielchen

Die einzige Orgie, die mir bei Fifty Shades of Grey in den Sinn kommt, ist die Lachorgie als Gruppentherapie. Denn alles, was sich hier passend paart, sind Nipplegate, Watergate und ein cineastisches Waterloo, sodass einem die Lust auf echt verdammt harten Sex („I don’t make love. I fuck … hard.“) schnell vergehen kann. Method acting? Eher Eis am Stiel Teil Nix oder der Braune Bär zeigt Ed von Schleck den Magnum-Flutsch-Finger.

Am 30. April 2018 kam der unfreiwillig unerotische Pseudo-Schocker im Free TV. Ich hab’ leider rein geschaut … Hier meine Fifty Shades of Grey Kritik:

 

Mehrfach ausgezeichnet – mit Anti-Preisen.

Man weiß gar nicht, wo man mit dem Vergeben von Goldenen Himbeeren anfangen soll. Offiziell wurde der Pseudoreißer 5-mal mit dem Gegenstück zum Oscar für herausragend schlechte Filmleistungen ausgezeichnet. Ich finde, damit war er gut bedient. Denn für diesen Schund hätte man den „WCA“ (Worst-Case-Award) erfinden und ihn damit zuschütten müssen.

Oder wie wär’s mit der Trophäe „Die ausgefranste Pferdepeitsche“? Ebenso geeignet: Statt der eisernen die „Verrostete Jungfrau“. Die Goldenen Himbeeren können sich die Prämierten sogar mit Stolz ins leere Regal stellen. Es hätte weitaus schlimmer kommen können. Sogar müssen.

Wie man stimmige Atmosphäre und ein anregendes Niveau mit Höhepunkten in eine Erzählung einfügt – ganz gleich ob es sich um eine Romanze, einen Thriller oder Erotikfilm handelt – verrate ich Ihnen später.

Denn es gibt genügend brauchbares Material als Anschauungsunterricht.

 

Lohnt sich das?

Äh, nö. Gleich vorab: Ich weigere mich prinzipiell (und eben auch in diesem Fall) einen Buch-Film-Vergleich anzustellen. Denn das wäre an Unsinnigkeit nicht zu überbieten (siehe Exkurs bei Peter Hase Kritik). Ich denke aber, auch der Roman gehört nicht in die Liste der Bücher, die man bis zu seinem Tod gelesen haben sollte.

 

Dümmliche Dialoge werden durch die schlaffe Handlung gepeitscht

Was sich wiederum die Drehbuchautorin Kelly Marcel trotz oder wegen der Romanvorlage geleistet hat, besitzt den Charme und die Brisanz eines batterieschwachen Gummivibrators. Zumindest was der zumindest ober- und unterhalb der Gürtellinie blutleere Jamie Dornan (als Christian Grey) an (Leer-)Zeilen von sich geben muss, ist eine leidenschaftslose Bewerbung für jede Vorabend-Soap.

Hier ist der Vertrag. Lies ihn bitte sorgfältig durch. Wenn du Fragen hast: Schick mir eine E-Mail.

 

Früher traf man sich regelmäßig zum Videogucken des Soft-Porno-Streifens Showgirls (1995). Daher eignete sich der Streifen mit Elisabeth Berkeley und Gina Gershon (Regie: Paul Verhoeven) hervorragend, um sich vor Lachen das gesamte Tränenreservoir zu entleeren. Allerdings waren die Ohren wegen der haarsträubenden Dialoge kurz vorm Ausbluten.

Was sich da vor der Kamera abspielte, tja, das wurde erst jetzt durch die heitere Peitschen schwingende Komödie Fifty Shades of Grey in punkto Lächerlichkeit getoppt.

 

 

Wie macht es eigentlich Dakota Johnson?

Etwas besser. Man könnte fast sagen, sie trägt den Film. Was auch immer das heißt.

Aber der Teenie-SM-Movie ist trotz einer edlen Bilderaneinanderreihung so prall gefüllt mit freizügig zur Schau gestelltem Dilettantismus, dass sie darunter permanent auf die Knie fällt.

Wenn das mal kein Zufall ist.

Die Tochter von Don Johnson und Melanie Griffith hat durchaus Leinwandpräsenz. Mit und ohne Kleidung. Ein Gesicht wie das Morphing-Ergebnis einer Charlotte Gainsbourg und ihrer Landsmännin Sophie Marceau. Das ist keineswegs despektierlich gemeint. Im Gegenteil, nett anzusehen ist Dakota Johnson in jeder (Kameraein-)Stellung.

Hatte sie überhaupt eine faire Chance? Als Enkelin, von Tippi Hedren, die im Hitchcock Psychothriller Marnie schon ihre Probleme mit Männern hatte und beim gleichen Regisseur im bekannten Schocker Birds auch nicht immer gut zu Vögeln war … Sorry, der musste leider sein. Nein, eine Chance, diesen Film zu retten, hatte sie nicht. Denn da waren Hauptdarsteller und Regisseurin entschieden dagegen. Sie wird mit dieser Filmrolle und der Berühmtheit ihrer Eltern und Großeltern bekannt bleiben müssen. Selber schuld. Man lässt sich nicht auf Schläger, Auspeitscher und Milliardäre ein!

Um eines klarzustellen: Die wahren Schuldigen sind zwei Frauen. Oder soll ich drei an der Zahl nennen, wenn man den Roman ausnahmsweise hinzuzählt?

Hier die Übeltäterinnen:

  1. Regisseurin: Sam Taylor-Johnson
  2. Drehbuchautorin: Kelly Marcel
  3. Autorin: Erika Leonard alias E. L. James  fifty shades buch

 

Was führen diese Frauen nur im Schilde?

Ist es um ihre eigenen amourösen Abenteuer so schlecht bestellt, dass die lebhafte Fantasie beim erstbesten Gedanken HALT! ruft? Und das soll geil sein/machen? Hatte Erika L. beim Schreiben Die Geschichte der O im Kopf und machte daraus eine A-Variante (A wie Anastasia)? Wurde ihr schon lange vor der ersten Buchzeile ein lukrativer Hornbach-Deal versprochen?

Plötzlich tummelten sich Alles-in-Obi-Frauen in Baumärkten und erkundigten sich nach der fachgerechten Einrichtung für den Hobbykeller. Der Mann war wohl gerade mit Gärtnern, Hausarbeit oder der Kinderbetreuung beschäftigt.

Willkommen im hyper-hysterischen Absurdistan.

 

Mein Fazit:

Wohin man auch schaut, die dominant herrschende Inhaltsleere springt einen permanent an. Vakuum umhüllt und erfüllt den Film. Erst geht er nicht richtig los, kommt dann kräftig ins Stottern und bläst und stößt zum Ende hin nur lauwarme Luft aus.

 

Der Film findet ein abruptes Ende. Auch bei mir auf der Couch.

Zusammenfassend kann man sagen: Die Steherqualitäten von Fifty Shades of Grey (Geheimes Verlangen) reichen nur für ein uninspiriertes Vorspiel. Die Erotik will sich mit den müden Protagonisten im Großformat einfach nicht einstellen. Man fühlt sich ähnlich elektrisiert, wie von einem CSU-Parteitag mit dem Triple-S-Dreier Söder/Seehofer/Stoiber.

Ein anderer Kritiker fand Dornans Allerwertesten genauso ausdruckstark wie dessen Gesicht. Ich habe mich an beidem schnell satt gesehen. Neben ausreichend Kleidung für die Hauptdarsteller sehnt man das baldige Ende herbei. Das kommt aber leider erst nach endlosen 125 Minuten. Die habe ich dann doch nicht geschafft. Irgendwo im Mittelteil war für mich Schluss. Wo bitte ist die Fernbedienung? Was bei DSDS gerade noch funktioniert, kann ich hier leider nicht durchwinken.

Dementsprechend ist es wenig überraschend, dass die Optik allein eben doch nicht reicht.

Die ist bis auf Dornans Gesicht (sein monotones Minenspiel will so gar keinen Eindruck hinterlassen) schon fast ansehnlich. Eben Hochglanz-Geprotze in scharfen (hier: hochauflösenden) Bildern. Nicht so edel und niveauvoll wie in Tom Fords A Single Man, aber immerhin.

 

Ab 12, 16 oder 18? Ab dafür!

Fifty Shades of Grey darf man hierzulande ab 16 Jahren gucken. Die Frage, wer über 16 sich das angucken sollte, ist schnell beantwortet: am besten keiner. Man kann den Film schlicht nicht empfehlen. Hartes Nehmen und schwungvolles Peitschen wird zu Recht mit der FSK-Empfehlung zensiert. In Amerika darf man übrigens erst ab 17 Jahren (ohne Begleitung) ins Kino. In Frankreich ab 12. Man sollte sich den Film auf keinen Fall allein ansehen – in der Gruppe lacht es sich immer noch am besten. Dafür ist der Film gut geeignet, vorausgesetzt, das Skript sollte eigentlich Vorlage für eine Slapstickkomödie à la Austin Powers sein. Denn Fifty Shades of Grey hat zweifelsohne Potential, um die Lacher auf seiner Seite zu haben.

Unfreiwillig komisch oder mit Absicht doof – das wird allerdings nicht so ganz deutlich. Aber wenn Fragen bestehen sollten: Einfach eine E-Mail schicken.

Note: unbefriedigend.

Somit fällt meine Fifty Shades of Grey Kritik leider bescheiden aus, aber …

 

So will ich Sie nicht zurücklassen!

Daher hier ein paar Filme zur Ersatzbefriedigung (nicht immer hocherotisch, aber das bietet Fifty Shades of Grey – Geheimes Verlangen ja auch nicht).

  1. Gefährliche Liebschaften oder etwas moderner: Eiskalte Engel – wenn man es intrigant, spannend und etwas böse mag
  2. Der englische Patient oder Jenseits von Afrika – wenn man niveauvollen Herzschmerz mag
  3. Secretary – die etwas andere Independent-Version von Sadomasochismus
  4. Die Geschichte der O – das Original von 1975
  5. Wild Things – es gibt Schlimmeres als Neve Campbell und Denise Richards „zuzuschauen“ …