Der Marsianer Kritik

Der Marsianer (2015) – Kritik

Darsteller: Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins, Peter Saarsgard, Bobby Cannavale

Regisseur: Woody Allen

Dauer: 98 Minuten

 

Was wird erzählt?

Mark Watney (Matt Damon), einer von sechs Crewmitgliedern der Mars-Raumfahrt-Mission Ares III, wird nach einem verheerenden Sandsturm irrtümlich für tot gehalten. Allein auf der Marsbasis zurückgeblieben, errechnet er mithilfe eines Versorgungsplans seine Überlebenschancen bis zur nächsten Mars-Mission in vier Jahren. Mit dem 1997 auf dem Mars zurückgelassenen Roboter ‚Pathfinder‘ gelingt es ihm schließlich, Kontakt zur Erde aufzunehmen. Doch ein Unfall an der Basis zerstört seine Lebensvorräte. Währenddessen stellt sich seine Crew gegen die Pläne der NASA und reist nicht zurück zur Erde – denn Mark Watney soll gerettet werden …

 

Lohnt sich das?

Das dritte Jahrtausend hat es gezeigt: Es gibt ein Weltall jenseits von Star Wars oder Star Trek. Und das wurde in den letzten Jahren mit den Kassenschlagern Gravity (2013), Interstellar (2014) und nun Der Marsianer (2015) zart, aber prägnant bevölkert. Letztgenannter gewinnt vor allem durch seine humorvolle Herangehensweise an ein letztlich doch sehr spannendes Drama. Oder doch etwa Komödie? Schließlich gewann Der Marsianer bei den Golden Globes 2016 die Preise Bester Hauptdarsteller (Damon) und Bester Film jeweils in der Kategorie Komödie oder Musical! So far, so überraschend.

Andererseits hat der Film in der Tat seine witzigen Momente. Matt Damon alias Jason Bourne kann es zwar ernst, aber wie in der Oceans-Trilogie halt auch mit Ironie. Selbst in scheinbar auswegloser Situation geht ihm auf dem Mars der Humor nie ganz verloren. Die Stimmung des Films ist dennoch insgesamt von positiv-seriöser, interstellarer Kraft getragen.

 

Ungewollter Marsmensch bekämpft Urängste

Es geht um Hoffnung, Teamgeist – die Philantropie schwebt beinahe schwerelos vom roten Planeten bis hin zum Kinosessel. Selbst NASA-Direktor Sanders (Daniels), der wegen drohender Budgetkürzungen durch den Kongress sämtliche Rettungsunternehmungen untersagt, will nicht so wirklich als Bösewicht taugen. Zu übermächtig scheint der Rettungsgedanke aller anderen Beteiligten (auch bei ihm selbst?). Sei es in den NASA-Basis-Stationen auf der Erde oder innerhalb Mark Watleys Mars-Missions-Teams, das zeitgleich im All seine Kreise zieht. Bei den Crewmitgliedern menschelt es heftig, etwa bei der eher tougheren Kommandantin Lewis (Chastain) oder in der vielleicht witzigsten Szene des Films, als Watley mit Crew-Mitglied Martinez (Pena) chattet:

 

 

(Martinez, mit leichter Ironie:) Sorry, dass wir dich auf dem Mars gelassen haben. Aber wir mögen dich einfach nicht. Hier auf der Hermes erledigen wir abwechselnd deine Aufgaben. Aber es ist ja nur Botanik. Keine echte Wissenschaft. Wie ist’s auf dem Mars …?  

 

Der Star ist die Mannschaft

Die Schauspieler agieren wie eine Familie, die sich blind versteht. Die eher konträr zu ihren sonstigen Filmfiguren besetzten Mimen Jeff Daniels als Hardliner allein auf weiter Flur und Sean Bean als Gutmensch kommen nicht so richtig aus den Socken. Dafür sind die Rollen und auch die schauspielerische Umsetzung zu eindimensional geraten. Die anderen erledigen ihren Job zur allgemeinen Zufriedenheit. Aber letztendlich steht auf der Verpackung Matt Damon. Und genau diese gute Zutat ist auch drin. Wenn man ihn oder sein alter Ego Watley nicht besonders mag, hat man in den 144 Minuten so seine Probleme. Ansonsten bewegt man sich auf unterhaltsamem, schwerelosem „Terrain“. Regisseur Ridley Scott, (Blade Runner, Gladiator, Hannibal), inszeniert mit seiner Special-Effects-Mannschaft MPC gekonnt und effektvoll. Darunter befindet sich auch Chris Lawrence, der 2014 bereits mit Gravity den Oscar für die besten visuellen Effekte gewann.

Mögen sich die ersten 30 Minuten nicht unbedingt als Annette Halbestunde … entpuppen, beschleunigt der Film anschließend dank der weltraum-sicheren Manöver seines Regisseurs exorbitant galaktisch. Das wär’s aber schon an harscher Kritik.

Noch eine Bemerkung zu den Drehorten: Bulgarien (Studio) und Jordanien (wie bei Red Planet, 2000). Mal was Anderes für die Mars-Story. Aber hier sollen keine Illusionen zerstört werden. Der Film ist durch und durch marsialisch.

 

Mein Fazit:

Ein echter Blockbuster mit einem Matt Damon, der als passionierter Mars-Botaniker alle Survival-Register zieht und damit überzeugen kann. Entstanden ist zwar, milieubedingt, keine Charakterstudie à la Taxi Driver. Wer sich jedoch auf Thema und Inszenierung einlässt, lässig zurücklehnt, die ungeraden Wissenschaften auch mal gerade Wissenschaften sein lässt und endlich wieder „abheben“ will, für den funktioniert das spannende Abenteuer abgespaced hervorragend.

ALL… das hat man ähnlich verpackt schon gesehen, aber noch nicht in der Form und so unterhaltsam komponiert – inklusive 70er Jahre Disco-Soundtrack. Mars macht eben immer noch verdammt mobil.

 

8/10 Pathfinder Awards sind ihm sicher.